Der Wasserrechtsantrag

Flurabstand heute

IGUVW sagt Nein zur Fördermengenerhöhung

Mit einer umfangreichen Stellungnahme ihres Rechtsanwaltes Jürgen Reh und einem Gutachten des Geohydrologen Dr. Steinmetz haben die Mitglieder IGUVW im wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren Einwendungen beim Landkreis Vechta erhoben. Einige Auszüge aus dieser Stellungnahme werden hier wiedergegeben:

Insbesondere die vom Oldenburgisch- Ostfriesischen Wasserverband beabsichtigte Ausdehnung der Förderung auf 5,5 Mio. m³ im Einzugsgebiet des Wasserwerkes Holdorf stößt auf völliges Unverständnis. Mit ihrer Stellungnahme vom 30.05.2011 erheben die betroffenen Grundeigentümer, Land- und Forstwirte Einwendungen gegen den Antrag des OOWV in mehrfacher Hinsicht:

So wird unter anderem die Unvollständigkeit der Antragsunterlagen gerügt. Diese seien nicht geeignet, den Betroffenen einen umfassenden Überblick über das Vorhaben und insbesondere die zu erwartenden Auswirkungen auf das Fördergebiet zu geben. Nicht einmal der eigentliche Antrag des OOWV sei vorgelegt worden. Unterlagen zu Vorprüfung der Umweltverträglichkeit seien ebenso nicht vorgelegt worden wie die entscheidenden Unterlagen zu den Beweissicherungen in den letzten 30 Jahren. Die im Einzugsgebiet festzustellenden massiven Trockenschäden hätten ersichtlich keinen Eingang in das neue Antragsverfahren gefunden. Insbesondere die Feststellungen zur Ermittlung des „Nullzustandes“ seien völlig unzureichend vorgenommen worden. Diese Ermittlung sei aber von entscheidender Bedeutung, da nur so der tatsächliche Umfang der Schäden zutreffend festgestellt werden könne. Durch die Fördermengenerhöhung und tiefere Förderbrunnen stehe eine erhöhte Gefährdung auch der tieferen Grundwasserschichten durch Oberflächeneinträge zu erwarten.

Bemängelt wird insbesondere aber auch, dass aussagekräftige Pumpversuche für die beabsichtige Fördermengenerhöhung schlicht unterblieben sind. Insoweit seien auch die Auswirkungen einer Förderung aus verschieden kombinierbaren Förderstandorten nicht ermittelt worden und kaum prognostizierbar. Schlicht falsch sei ferner die Behauptung eines Grundwasser unabhängigen Bodenwasserhaushaltes, mit der durch den OOWV die Verantwortlichkeit für Trockenschäden für weite Teile des betroffenen Gebietes von vornherein in Abrede gestellt werde. Anders, als dies vom Antragsteller behauptet werde, sei es nach Einschätzung des Gutachters Dr. Steinmetz sehr wohl möglich, die geohydrologischen Verhältnisse in den „Dammer Bergen“ mit einem vertretbaren Aufwand zu untersuchen.

Schwere fachliche Fehler seien auch bei der im Rahmen der Antragstellung durchgeführten Analysen der Grundwasserflurabstände festzustellen. Hier sei es dem Gutachter des OOWV nicht gelungen, die rechnerische Anbindung der Seen an die Grundwasserflurabstände vorzunehmen, so das theoretisch sogar im Heidesee aufgrund eines Gefälles von einem Meter ein reißender Fluss bestehen müsse.

Schon jetzt sei zudem aufgrund der derzeitigen zu hohen Wasserentnahme eine Infiltration der Bäche in das Grundwasser festzustellen. Auch sei die erhebliche Gefahr nicht erkannt worden, welche sich aus den im Einzugsgebiet im Boden befindlichen Salzablagerungen ergebe. So habe selbst der Gutachter des OOWV in seiner Stellungnahme nicht ausgeschlossen, dass es hier zu einer Überlagerung mit diesen Salzschichten kommen könne. Nach Einschätzung der IGUVW besteht hier die Gefahr, dass der Grundwasserkörper erheblichen Schaden nimmt. Auch sei der Umfang aller weiteren Grundwasserförderungen im Einzugsgebiet nicht nachvollziehbar dargestellt worden.

Mit ihrer Stellungnahme haben die Mitglieder der IGUWV auch verdeutlicht, dass sie keine Einwende gegen eine maßvolle und umweltverträgliche Wasserförderung im Einzugsgebiet Holdorf erheben. Die Fehler der Vergangenheit dürften sich aber nicht noch einmal wiederholen, weshalb jetzt erst einmal eine ordentliche Bestandsaufnahme notwendig sei. Eine Förderungserhöhung sei aber unverantwortlich und werde entschieden abgelehnt.

(RA Reh)

Zusammenfassung der Stellungnahme zum Wasserrechtsantrag des OOWV

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) hat eine Bewilligung zur Grundwasserentnahme von jährlich 5,5 Mio. m³ für das Wasserwerk Holdorf gemäß des Wasserhaushaltsgesetzes beim Landkreis Vechta beantragt. Der wasserrechtliche Bewilligungsantrag lag vom 18.04.2011 bis zum 19.05.2011 beim Landkreis Vechta zur öffentlichen Einsichtnahme aus.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft für umweltverträgliche Wasserförderung – IGUVW aus Holdorf befürchten erhebliche Beeinträchtigungen in der Umwelt sowie persönliche Schädigungen infolge der beantragten Grundwasserentnahme im hydrologischen Einzugsgebiet des Wasserwerks Holdorf. Daher hat die IGUVW das Ingenieurbüro GEONIK GmbH beauftragt den Wasserrechtsantrag für das Wasserwerk Holdorf fachlich zu prüfen.

Zusammenfassend wurde diesbezüglich Folgendes festgestellt:

Das Wasserwerk Holdorf besteht aus der Wassergewinnungsanlage Holdorf mit insgesamt 14 Förderbrunnen und einer Wasseraufbereitungsanlage sowie einem Messnetz mit über 140 Grundwassermessstellen. Der OOWV betreibt das Wasserwerk Holdorf seit 1968 zur Trink- und Brauchwasserversorgung in den Gemeinden Bakum, Damme, Dinklage, Essen, Holdorf, Lohne und Neuenkirchen. Die Bewilligung zur Grundwasserentnahme aus dem Wasserwerk Holdorf in der Menge bis 5,0 m³/a war bis zum 22.04.2007 befristet. Die derzeitige Grundwasserentnahme wird auf Grundlage einer Zulassung des vorzeitigen Beginns seit dem 26.11.2008 betrieben. Diese ist bis zum 31.12.2011 befristet. In den vergangenen 10 Jahren wurde Grundwasser in einer jährlichen Menge von durchschnittlich ca. 4,5 Mio. m³ aus dem Wasserwerk Holdorf entnommen.

Der vorliegende wasserrechtliche Bewilligungsantrag ist auf Grund zahlreich fehlender Nachweise missverständlich oder unvollständig und oft in den wesentlichen Punkten nicht nachvollziehbar:

  1. Den Antragsunterlagen liegt der eigentliche, förmliche Antrag selbst nicht vor. Daher sind der Plan und die Absicht des Antragstellers nicht erkennbar. Diesbezüglich fehlen Angaben zum genauen Zweck und zur Dauer der Grundwasserentnahme sowie die geplanten Entnahmemengen aus den einzelnen Förderbrunnen.
  2. Der Nachweis über den bisherigen Förderbetrieb (stündliche, tägliche und jährliche Grundwasserentnahmemenge sowie Wasserspiegelstände) eines jeden Brunnens fehlen. Für das Wassereinzugsgebiet ist der Verlauf bzw. die Entwicklung der Grundwasserspiegelstände anhand von Grundwassergleichenplänen nicht dargestellt. Die Erstellung jährlicher Gleichenpläne ist in der wasserrechtlichen Bewilligung aus dem Jahr 1977 vorgeschrieben. Weiterhin wurde auf eine aussagekräftige statistische Auswertung bzw. Korrelation von Grundwasserentnahme zu Grundwasser-spiegelabsenkung verzichtet. Der zeitliche Verlauf der Rohwasserbeschaffenheit besonders im Hinblick auf die Gehalte an Nitraten oder Pflanzenschutzmitteln fehlen ebenfalls.
  3. Ein detaillierter/qualifizierter Wasserbedarfsnachweis und die Bemühungen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser fehlen. Ebenso fehlen Angaben zu den Wasserverlusten und zum Eigenverbrauch des Wasserwerks.
  4. Die Darlegung einer Ersatzwasserbeschaffung bei einer Außerbetrieb-nahme des Wasserwerks fehlt.
  5. Im Zuge der Herleitung und Darstellung des zukünftigen Wassereinzugsgebietes liegen keine Berechnungen für die 50-Tage-Linie (Schutzzone 2) vor. Mit der geplanten Erhöhung der Grundwasserentnahme ist die Ausweitung des Wassereinzugsgebiets und die Ausweitung der 50-Tage-Linie verbunden. Folglich müssen das aktuelle Wasserschutzgebiet zukünftig an die veränderten Bedingungen angepasst werden und sich die Schutzzonen II und III vergrößern. Dieser Sachverhalt ist nicht dargelegt. Die Herleitung und Berechnung der zukünftigen 50-Tage-Linie ist insbesondere hinsichtlich der Beurteilung einer Gefährdung durch den Freizeit- und Badebetrieb am Heidesee unerlässlich.
  6. Verweise auf die Berücksichtigung einer Vorprüfung des Einzelfalls oder einer Umweltverträglichkeitsprüfung fehlen.
  7. Da der Rüstungsstandort „Damme“ im Wassereinzugsgebiet liegt und für diesen Standort eine Empfehlung zum Sicherungs-, Räumungs- und Untersuchungsbedarf besteht, ist vor der Einbeziehung des Standorts in das Wassereinzugsgebiet eine Gefährdungsabschätzung zu erstellen.
  8. Die Darstellung und geohydraulische Auswertung von aktuellen Pumpversuchen an den Förderbrunnen fehlen. Diese sind für die Erläuterung des hydrogeologischen Modells unerlässlich, da auf der Grundlage des numerischen Grundwassermodells Prognoseszenarien ermittelt werden. Weiterhin fehlt für das numerische Grundwassermodell eine detaillierte Wasserhaushaltsbetrachtung. Das numerische Modell berücksichtigt die hydraulische Anbindung der Oberflächengewässer nicht ausreichend. Der Null-Zustand des Grundwasserregimes wird nicht durch Nachweismessungen aus dem Zeitraum vor dem Beginn der Grundwasserentnahme dargelegt. Der Ist-Zustand wird mit veralteten Messwerten aus dem Jahr 2004 belegt.
  9. Die Prognosen für zukünftige Grundwasserspiegelstände und die daraus gefolgerten Auswirkungen im bodenkundlichen und ökologischen Gutachten sind aufgrund der o.g. fehlenden Nachweise so nicht nachvollziehbar. Das ökologische Fachgutachten berücksichtigt nicht die erheblichen Beeinträchtigungen der Grundwasserentnahme auf die Oberflächengewässer, insbesondere das Trockenfallen der Teiche/Kiesseen zwischen dem Wasserwerk Holdorf und Grandorf oder das Abfallen des Wasserspiegels im Heidessee sowie die dauerhafte Austrocknung der Bäche und Gräben zwischen Fladderlohausen und Grandorf.
  10. Durch die bisherige und geplante Grundwasserentnahme aus dem Wasserwerk Holdorf und der förderbedingten Grundwasserabsenkung im Umfeld der Förderbrunnen von 4 bis 7 m, ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Naturhaushaltes im Brunnenumfeld zu rechnen. Daher werden neben der detaillierten Herleitung des Null-Zustands auch umfangreiche wasserwirtschaftliche, landwirtschaftliche, forstwirt-schaftliche sowie ökologische Beweissicherungen gefordert. Weiterhin ist die Ausweitung des Absenkungstrichters auch unter den Ortschaften Holdorf und Fladderlohausen zu erwarten und daher eine umfangreiche geotechnische Beweissicherung (Setzrisse an Gebäuden) für den Baugrund der Siedlungen gefordert.

Nach den vorliegenden hydrogeologischen Erkenntnissen findet durch die Grund-wasserentnahme im Wasserwerk Holdorf eine massive, großflächige Grundwasserspiegelabsenkung statt, die bereits bei einer jährlichen Grundwasserentnahme von ca. 4,5 Mio. m³ erhebliche Beeinträchtigungen im Naturhaushalt ausgeübt hat. Daher ist eine Ausweitung der Grundwasserentnahme über 4,5 Mio. m³/a derzeit bereits bedenklich.

Die Ausweitung der Grundwasserentnahme von derzeit ca. 4,5 Mio. m³/a auf bis zu 5,5 Mio. m³/a lässt nach der bislang vorgelegten Datenlage nur grob abschätzen, welche negative Auswirkungen in der Naturlandschaft und im Siedlungsgebiet von Holdorf und Fladderlohausen zu erwarten wären.

Die Befürchtungen der IGUVW bezüglich einer erheblichen Beeinträchtigung der Umwelt sind aus hydrogeologisch-wasserwirtschaftlicher Sicht nach dem vorliegenden Sachstand begründet.

Es besteht ein erheblicher Bedarf zur Klärung der hydrogeologischen, bodenkundlichen sowie geotechnischen Sachverhalte.

(Dipl.- Geol. Dr. Stefan Steinmetz)

Stellungnahme des NABU Kreisverbands zum WR- Antrag des OOWV (Bitte anklicken)

Wer nicht zur Gemeinde oder zum Landkreis Vechta gehen möchte, um Einsichtnahme in den Wasserrechtsantrag zu nehmen, kann sich hier einige wichtige Auszüge online anschauen. (Quelle: Wasserrechtsantrag des OOWV)

Tipp: wenn die Kartendetails in Ihrer Browserauflösung nicht detailliert genug erscheinen, können Sie durch Festhalten der Strg Taste und gleichzeitigem Betätigen der + oder - Taste den Bildausschnitt beliebig vergrößern, bzw. wieder verkleinern. Gleiches funktioniert auch mit Strg und dem Scrollrad der Maus.

1. Die erste Grafik zeigt die jährlichen Niederschlagsmengen und die Entnahmemengen des Wasserwerks Holdorf. Es handelt sich hierbei um Daten, die ausschließlich vom OOWV ermittelt wurden.

Anlage 6 Niederschlags- und Entnahmemengen   

2. Die nachfolgende Karte gibt Aufschluß über die Flurtiefen (Grundwasserstände), die sich laut OOWV einstellen würden, wenn das Wasserwerk komplett außer Betrieb gehen würde. Es handelt sich nicht um die tatsächlichen Grundwasserstände, wie sie früher enmal waren. Jede Farbe steht für eine andere Flurtiefe. So steht grün z. B. für Flurtiefen kleiner 1 Meter. Die Bedeutung der anderen Farben sind aus der Legende ersichtlich. 

Ebenfalls werden in dieser Karte die Grundwasserabsenkungen bei einer Entnahmesituation von 4,5 Millionen Kubikmetern pro Jahr dargestellt. Die Zahlen an den Linien geben die erfolgten Absenkungen an. Ist z. B. eine Fläche grün eingezeichnet (Flurtiefe kleiner 1 Meter) und wird von einer Linie mit der Zahl 2 durchzogen, ist der Grundwasserstand hier um 2 Meter abgesenkt worden, und kann somit bis nahezu 3 Meter tief sein. Diese Bereiche sind besonders kritisch für die Landwirtschaft, da das Grundwasser nicht mehr für die Pflanzen verfügbar ist. Aber auch ältere Bäume haben bei einer Absenkung von 2 Metern den Grundwasseranschluss oftmals völlig verloren und werden massiv geschädigt. Besonders ältere Bäume sind nur noch sehr eingeschränkt in der Lage, ihre Wurzeln wieder an das Grundwasser heranzuführen und werden möglicherweise nach einigen Jahren den Kampf um das Wasser verlieren und absterben.  

Anlage 8.1 Istzustand GW Absenkung oben Copy_0

3. Die nachfolgende Karte stellte eine Prognose über die Flurtiefen (Grundwasserstände) bei einer Entnahmesituation von 5,5 Millionen Kubikmetern pro Jahr dar. Es handelt sich nicht um gemessene Werte, die dargestellten Werte können in der Realität noch übertroffen werden.

Anlage 9.1 Prognose GW Absenkung oben Copy_0

4. Die nachfolgende Karte stellt die prognostizierte zusätzliche Absenkung (Differenz zwischen 4,5 und 5,5 Millionen Kubikmetern pro Jahr) dar. Auch hier handelt es sich um eine Prognose und nicht um gemessene Werte. wie die Realität einmal aussehen wird wes heute noch niemand.

Anlage 10.1 PrognoseZusätzzliche GW Absenkung oben Copy_0

5. Aus dieser Karte ist die Lage der Förderbrunnen ersichtlich. Zu den derzeit 14 Brunnen aus denen das jetztige Wasser gefördert wird, sollen 3 neue Brunnen in der Fassung Ost hinzukommen, die aus großer Tiefe ihr Wasser beziehen sollen. Zusätzlich sollen die wegen der Nitratproblematik in den 80 er Jahren stillgelegten Brunnen der Fassung Mitte wieder in Betrieb genommen werden, so dass zukünftig aus insgesamt 24 Brunnen gefördert wird. So werden aus 14 Brunnen mit 3 neuen Brunnen auf einmal 24 Brunnen.

Außerdem stellt die blaue Linie das prognostizierte zukünftige Wassereinzugsgebiet dar. Dies stellt gleichzeitig auch die Mindestgröße des zukünftigen Wasserschutzgebietes dar, welches aber meistens erst einige Jahre später ausgewiesen wird.

 

Brunnengalerie

 

6. Detailansicht Fassung West und Mitte

 

Brunnengalerie West und Mite

 

7. Detailansicht der Fassung Ost.

 

BrunnengalerieOst

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